China – Ein Land hat 10.000 Gesichter

“Ich will Menschen treffen, herausfinden wie unterschiedlich sie sind und doch wie gleich” (MacGyver)

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Wege zum Glück?

23. Januar 2011 · Keine Kommentare · Gefühle Chinas

Beijing fühlt sich nun anders an. Die kleinen oder großen Veränderungen – zwei U-Bahn-Linien neu eröffnet, Preise gestiegen und manch befreundete Dissidenten stehen nicht mehr unter Hausarrest – sind es nicht.

Ich bin auf dem Weg zurück nach Deutschland. China wird mich irgendwie begleiten, das beruhigt. Und doch muss ich vieles zurücklassen, vor allem Freunde und Bekannte und auch den Alltag, der Rahmen und Orientierung war.

Meine Vermieterin, Mitte 40, modisch gekleidet, zupackend und geplagt mit einem am Aktienmarkt zockenden Vater, erzählt mir warum sie froh ist, dass sich ihr Sohn endlich von seiner Freundin getrennt hat. Das Mädchen war nicht tüchtig, sagt sie. Es wohnte bei ihnen, schlief lange, ging kaum zur Arbeit und half ihr, der Mutter, noch nicht mal im Haushalt. “Wenn sie morgens aufgestanden wäre, mit mir einkaufen gegangen und dann gekocht hätte, hätte sie sich ja nachmittags wieder hinlegen können”, meint meine Vermieterin. Ich weiß nicht ob ich das sehr tolerant oder sehr traurig oder auch sehr merkwürdig finden soll.

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Gefühle Chinas (6): Von alten und neuen Gesichtern

3. November 2010 · Keine Kommentare · Gefühle Chinas

Dass der Monat Oktober hier nicht durch Geschichten ausgefüllt worden ist, ist sehr schade. Nicht, dass ich keine geschrieben hätte für die Zeitungen. Aber viele der dazugehörigen Gesichter wollte oder konnte ich nicht loslassen. Sie auf Papier festzuhalten oder in virtuellen Weiten zu entlassen schien mir unpassend. Denn diese Gesichter, sie gehören engagierten chinesischen Bürgern für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrem Land. Und viele von ihnen konnte ich in den letzten Wochen nicht sehen, manche Stimmen nicht hören oder gar manche Gedanken nicht lesen. Denn die chinesische Regierung hat sie als Reaktion auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Publizisten Liu Xiaobo unter Hausarrest gestellt, ihnen das Telefon gesperrt, das Internet gekappt, sie festgenommen oder aus Peking vertrieben. Manche innerhalb der chinesische Führung haben Angst vor ihnen.

Ich weiß nicht wie es ihnen geht. Ich kann nichts für sie tun. Manchmal erscheinen mir ihre Gesichter verschwommen. Das macht mich traurig. Doch aus den Gedanken an sie steigen neue Gesichter auf, Gesichter eines neuen China, eines freieren, eines gerechteren Chinas und der Chinesen, die in diesem Land leben werden. Bald. Auch sie. Alle. Das hoffe und glaube ich.

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Gefühle Chinas (5): Von Tränen und Seiten

8. September 2010 · Keine Kommentare · Gefühle Chinas

Der tibetische Student hat mal wieder angerufen. Ihn hatte ich mit meinem Kollegen Georg Blume, im März 2008 in Lanzhou, Provinz Gansu kennen gelernt. Er studierte damals Chinesisch und Englisch. Er wollte Dolmetscher werden. Er war Mitglied der kommunistischen Partei. Ein großer, schlanker junger Mann mit Augen wie Kohlen und widerspenstigem, dickem schwarzen Haar, mit feinen Händen und schüchternem Blick. Er sprach fließend Putonghua (Hoch-Chinesisch), aber mit starkem tibetischem Akzent. Er redete offen mit uns über die Trauerfeiern an der Uni, darüber, dass er sich Propagandafilme der Regierung ansehen musste, die ihn traurig machten. Er dachte er könnte Tibeter und Chinese zugleich sein. Ein Brückenbauer gar. Dann hörte er einen Anruf eines anderen jungen Tibeters in einem tibetischen Kloster mit. Danach hatte er Tränen in den Augen. Er wusste er konnte nicht mehr so einfach Chinese und Tibeter sein.

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Gesichter Chinas (7): ein Parkplatzaufseher

8. September 2010 · Keine Kommentare · Gesichter Chinas

Kräftige Gestalt, gerader Blick, so kommt mir einer der Parkplatzaufseher vor dem Landmark Tower im Osten Pekings entgegen. Er trägt ein Fahrrad mit Elektromotor und stellt es neben einer Vespa und vor einem Schild “Abstellen von Fahrrädern verboten” ab. Das Gefährt – vermutlich gilt es gar nicht als Fahrrad – ist mit einer dicken Motorradkette abgeschlossen. Deshalb trägt der Mann Anfang 50 im Blaumann mit der Igelfrisur es wohl. Hier vor dem Landmark Tower stehen nur Autos, meist dicke und meist schwarze Autos. Schon klar, dass man hier keine Fahrräder haben will. Meines ist nun einfach weg, verschwunden.

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Zurück zum Ursprung – 10.000 Gesichter

8. September 2010 · Keine Kommentare · Augenblicke Chinas

Manchmal muss man sich von etwas entfernen, um ihm wieder nahezukommen. Kein kluger Spruch, sondern bittere Erfahrung. Mein Blog ist zu einer Ansammlung von Zeitungsartikeln geworden. Dabei wollte ich – über Nachrichtliches und Aktuelles hinaus – von Menschen erzählen, wie sie mir begegnet sind, woran sie mich teilhaben lassen, womit sie mich berührt und was sie mir erzählt haben.

Ohne “Nachrichtenwert”, einfach als Stein im Lebensmosaik. Manchmal habe ich kein Foto von Menschen, denen ich begegnen durfte. Dann hoffe ich, dass meine Beschreibung sie ein wenig lebendig werden lässt. Also ein neuer Versuch.

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