China – Ein Land hat 10.000 Gesichter

“Ich will Menschen treffen, herausfinden wie unterschiedlich sie sind und doch wie gleich” (MacGyver)

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Südwest Presse (22.6.2010): China ringt um seinen Wirtschaftskurs

Mit einer vagen Ankündigung, seine Währungspolitik zu lockern, hat China große Wirkung erzielt. Am ersten Handelstag nach der Bekanntgabe gingen die Börsen weltweit auf Höhenflug: Der Dax erreichte zeitweise fast seinen Jahreshöchststand. Auch der Euro legte gegenüber dem US-Dollar zunächst kräftig zu. Und die deutsche Wirtschaft begrüßte die Bereitschaft der Chinesen, den Yuan-Wechselkurs flexibler zu handhaben.

Zuvor hatte auch US-Präsident Barack Obama die am Wochenende auf der Webseite der chinesischen Zentralbank veröffentlichte Erklärung als “konstruktiv” gelobt. Washington hatte wiederholt moniert, dass Peking mit einer künstlich niedrig gehaltenen Währung den Handel behindere.

Geschickt eine Woche vor Beginn des G20-Gipfels in Toronto lanciert, hat die Bekanntmachung zunächst mehr strategische als praktische Bedeutung. Eine einmalige Aufwertung des chinesischen Yuan hat die Zentralbank ausgeschlossen. Sie legt weiterhin täglich deren Richtwert fest. Die erlaubte Bandbreite für Schwankungen bleibt bei 0,5 Prozent um den Referenzpunkt. Doch dieser soll sich nun nicht mehr nur am US-Dollar, sondern wieder an einem Währungskorb orientieren. Im Zuge der aufkommenden Krise hatte China im Juli 2008 seine Währung mit einem fixen Richtwert von 6,83 allein an den Dollar gebunden. Davor hatte die Volksrepublik seit 2005 eine kontrollierte Aufwertung von rund 20 Prozent gegenüber ausgesuchten ausländischen Währungen zugelassen.

Die Volksrepublik nennt eine Ausbalancierung der Wirtschaft als Grund für die Wiederherstellung der alten Praxis. Neben der Abwendung von internationalem Druck steckt dahinter ein Kompromiss im innenpolitischen Ringen um Chinas zukünftigen Wirtschaftskurs. Befürworter eines mehr binnen-orientierten Entwicklungsmodells sehen eine flexiblere Währungspolitik als Mittel, um Binnenkonsum anzukurbeln, Importkosten zu senken und die grassierende Inflation einzufangen. Konservative Stimmen warnen vor Schaden für den Wachstumsmotor Export, spekulativem Kapital und dem Beugen vor internationalem Druck.

Wer in Zukunft die Oberhand gewinnt und was die Bekanntmachung genau bedeutet, wird sich in der nächsten Zeit an möglichen Veränderungen des täglichen Richtwerts zeigen. Experten rechnen damit, dass die Zentralbank nur einen moderaten Anstieg von 2 bis 3 Prozent bis Ende des Jahres zulassen wird. Durch den fallenden Euro und die inländische Inflation wurde der Yuan bereits aufgewertet. Laut Pekings Statistiken ist seine Handelsbilanz sowieso recht ausgeglichen.

(Quelle: Südwest Presse, 22.6.2010, http://www.swp.de/goeppingen/nachrichten/wirtschaft/art4325,528362)