MINQIN taz Schnaufend zieht Bauer Ma einen langen Gummischlauch Meter für Meter aus seinem kleinen Maisfeld. Sein weißes Hemd mit den heruntergerollten Ärmeln ist schweißgetränkt. Morgens um halb acht ist es bereits brütend heiß. Die Landschaft ist flach und karg. Eine dünne Staubschicht liegt in dem betonierten Kanal für Wasser vor Mas Feld. Etwa einen Kilometer dahinter beginnt sandiges Ödland – Vorboten der heranrückenden Wüste im Kreis Minqin.
Bauer Ma wirft den fein gelöcherten Schlauch wie ein Bündel Maiskolbenstangen in den Kanal. Eigentlich sollte er ihn sorgfältig ablegen. Denn der Schlauch war teuer – knapp ein Zehntel seines Jahresverdiensts von umgerechnet rund 1.000 Euro. Doch Ma ist sauer. “Ob diese neue Technik mir zu einer guten Ernte verhilft, weiß ich nicht”, sagt der drahtige Mann von Anfang 50, “es war jedenfalls ein Riesenaufwand.” Laut Anweisung der Regierung soll durch die verlegten Schläuche Verdampfung eingespart werden, welche bei den traditionellen Wassertränken der Felder entsteht. “Wasser ist ein Luxusgut” steht auf einem Schild neben dem betonierten Kanal.
Die Wüste rückt näher
Klima der Extreme in der Volksrepublik: Während im Süden der Provinz Gansu Regenfälle die Erde fortspülten und über 1.000 Menschen in den Tod rissen, herrschen im Süden Dürre und Wassermangel. Der Kreis Minqin war einst eine blühende Oase am Rand der Wüsten Tengger und Badain Jaran. Heute gilt er von Beijing bis Tokio als knochentrockene Heimat der Sandstürme .
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Fischer mit nacktem Oberkörper schöpfen mit Strohmatten Öl aus dem Meer – täglich zeigt das staatliche chinesische Fernsehen diese Bilder. Mitte Juli war in der nordchinesischen Hafenstadt Dalian ein Ölsammelbehälter der Firma China National Petroleum Corporation (CNPC) explodiert. Tausende Tonnen Öl haben Strände und Gewässer schwer verschmutzt.
Die Bilder im Fernsehen sind Beleg für den gelassenen Umgang der Staatsführung mit der Katastrophe: Sie meldet unerschöpflicher Einsatz, eindrucksvolle Zahlen und mitmachende Erfolgsmeldungen. Dank der 8150 Fischerboote, 45.000 Helfer, 466.000 Plastiktüten und 430.000 Metern Strohmatten haben die Reinigungsarbeiten einen “entscheidenden Erfolg” erzielt, lobte die Dalianer Stadtverwaltung. Touristen genießen nun wieder den Strand und “optimistische Bewohner” die Meeresfrüchte, heißt es auf ihrer Webseite.
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Tags: China Dalian Öl Katastrophe
Von der schwer im Magen liegenden Peking-Ente liegt der China-Reisende nach dem ersten Tag in der Hauptstadt fertig im Bett: Diese irren Wolkenkratzer, diese ganzen Kaiser mit ihren 999 Zimmern in der Verbotenen Stadt und diese lächelnden, aber immer drängelnden Chinesen! Wie soll ich da jemals die Frage “Und wie war China?” mit dem geforderten einen Satz beantworten?
Schwierig, aber nicht unmöglich. Sagen Sie: Chinas Fläche ist so groß wie Europa und so vielseitig ist es auch. Oder: China ist wie ein Kaleidoskop – gebrochene Mosaiksteine aus unheimlichem Bauboom, etwas verloren wirkenden Traditionen und rigidem Regime. Letzteres merkt man als Tourist kaum. In Hotels können Sie die Facebook-Seite nicht aufrufen. Man wird nicht viel über Politik sprechen und wenn ja, dann nur Positives. Oder auch: China ist widersprüchlich und wandelt sich ständig. So wird auch dieser Bericht überholt sein, wenn Sie ihn lesen.
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Tags: China·Lächeln·Reise·Tourismus·Vorurteile
Hauptmann Li Yang schiebt ein Betonstück vor einem eingestürzten Schulgebäude südwestlich von Peking zur Seite. Nach einem Erdbeben steht kein Stein mehr auf dem anderen. Rettungskräfte des China International Search and Rescue Teams (CISAR) suchen mit Hunden und Ultraschallgeräten nach Überlebenden. “Hier ansetzen”, ruft Li im orangen Truppenanzug und Helm seinen Kollegen mit Pressluftgeräten zu. Sie bergen einen leblosen Mann aus den Trümmern. “Danke, kleiner Li”, ruft die Männergestalt, setzt sich auf und klopft ihm auf den Rücken. Ein schrilles Pfeifen ertönt. Die Einsatzübung ist beendet.
Die Rettungstruppen sind das öffentliche Gesicht des chinesischen Militärs. Jenseits von strikter Geheimhaltung und forcierter Modernisierung leistet die 2001 gegründete CISAR bei Katastrophen im In- und Ausland Hilfe. Das 450 Mann starke Team besteht aus Ärzten der bewaffneten Militärpolizei, seismologischen Experten und Soldaten des Ingenieurregiments in Peking.
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Tags: China·Erdbeben·Haiti·Militär·Rettungskräfte·Soldat·Wenchuan·Yushu
Wie ein speiender Wasserdrache sieht er aus – der chinesische Drei-Schluchten-Staudamm, der mit der Flutkatastrophe am Jangtse-Fluss in Zentralchina ringt. Mehr als 700 Menschen sind seit Beginn der Überschwemmungen im April in vielen Teilen des Landes bereits ums Leben gekommen, Millionen sind auf der Flucht. Und immer noch schnellen reißende Wasserströme mit einer Geschwindigkeit von 40.000 Kubikmeter pro Sekunde aus den Schleusentoren des Staudamms. Doch es mehren sich die Zweifel, ob das umstrittene Bauwerk mit den Rekordwassermassen fertig wird.
Das Nachrichtenprogramm Eins plus Eins des staatlichen Senders CCTV lässt verhaltene Töne anklingen. “Setzt nicht die ganze Hoffnung auf den Drei-Schluchten-Staudamm”, zitiert der bekannte Moderator Bai Xuesong einen seiner Interviewpartner. Und der, Cai Qihua, ist immerhin der amtierende Vorsitzende der staatlichen Changjiang-Wasserkraft-Kommission.
Der Grund: theoretisch kann der Pegelstand des Stausees durch weitere Wasseraufnahme aus dem Oberlauf noch um knapp 25 Meter auf die Höchstmarke von 175 Meter ansteigen. Aber nur theoretisch, wie Bai erläutert. Denn unweit des Langen Flusses wohnen zwischen dem bisherigen Höchststand von 150 Meter und den 175 Metern noch fast drei Millionen Menschen.
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Tags: Changjiang·China·Drei-Schluchten-Damm·Fan Xiao·Flut·Yangtse